infothek:tansania [BALANGA.de]

Tansania

Tansania - Typisch Ostafrika?

Nein, Tansania ist unserer Ansicht nach kein typisch ostafrikanisches Land (falls es so etwas überhaupt gibt), sondern unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von seinen Nachbarn.

Es gibt ein von der Stammeszugehörigkeit losgelöstes Nationalbewusstsein, welches von Präsident Nyereres Ujamaa-Sozialismus geformt wurde. Die Stammeskultur des Landes ist mit rund 120 Stämmen vielfältig, es gibt jedoch keine dominanten ethnischen Gruppen, die Herrschaftsansprüche äußern, weshalb sich die meisten Tansanier in erster Linie mit ihrer Nation und nicht mit ihrer Stammeszugehörigkeit identifizieren.

In den Jahren seit der Unabhängigkeit gelang es keinem Diktator (anders als in den meisten Nachbarländern), das Land in seine Gewalt zu bringen, um es zu seinem Vorteil oder dem Vorteil seiner Sippe ausbluten zu lassen. Die Ära bis 1985 war weit entfernt von Freiheit und Demokratie. Präsident Nyerere war jedoch mit seiner Integrität ein außergewöhnlicher und für Afrika in seiner Zeit sehr untypischer Landesführer.

Das strikte Loslösen von Stammeshierarchien ließ ein Gemeinwesen entstehen, dessen Geist zum Teil noch heute spürbar ist und verhinderte (oder zumindest behinderte), dass die persönliche Bereicherung von Amts- und Würdenträgern eine Selbstverständlichkeit ist. Die Wahlen seit 1995 galten, zumindest auf dem Festland, allgemein als frei und fair. Jeder politische Wechsel wurde bislang friedlich vollzogen.

Ein weiteres Erbe der Nyerere-Ära ist eine für afrikanische Verhältnisse außergewöhnlich hohe Alphabetisierungsrate. Heute besteht Schulpflicht und es wird für den Besuch der staatlichen Grundschulen kein Schulgeld erhoben. In Tansania liegt die Einschulungsrate bei mehr als 95 %.

Tansania und Deutschland

Tansania zählt heute leider immer noch zu den ärmsten Ländern der Erde (Rang 162 von 177). Es ist ein Schwerpunktland der deutschen Entwicklungshilfe in der Subsahara-Region. In den Jahren 2003 bis 2005 sind beispielsweise ca. 105 Mio. EUR in die technische und finanzielle Zusammenarbeit geflossen. Dabei erfolgt eine Konzentration auf

  • Gesundheitspolitik (HIV/AIDS)
  • Wasserver- und Entsorgung
  • Förderung der lokalen Selbstverwaltung

Die konkrete Entwicklungshilfe wird im Auftrag der Bundesregierung durch den Deutschen Entwicklungsdienst (DED) sowie die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) geleistet. Daneben ist in Tansania eine große Zahl deutscher Entwicklungshilfeorganisationen (privat und kirchlich) aktiv.

Verschiedene bilaterale Abkommen zwischen Deutschland und Tansania erleichtern den Handel. Hauptexportgut Tansanias ist Kaffee. Das bilaterale Handelsvolumen lag im Jahr 2004 bei ca. 118 Mio. EUR, wobei Deutschland einen Exportüberschuss von ca. 30 Mio. EUR erwirtschaftete.

Seit Schließung des Goethe-Instituts in Dar-Es-Salaam im Jahr 1998 wird der Deutsch-Tansanische Kulturaustausch hauptsächlich durch private Vereine oder kirchliche Initiativen betrieben.

Reiseland Tansania

Begegnung im Lake Manyara Nationalpark

Begegnung im Lake Manyara Nationalpark

Viele Leute assoziieren mit Tansania an erster Stelle Safaris. Tatsächlich bietet das Land exzellente Voraussetzungen für atemberaubende Naturerlebnisse. Besonders in den berühmten Nationalparks und Conservation Areas im Norden des Landes (Serengeti, Arusha, Ngorongoro, Tarangire) können Touristen Tiere, die sie normalerweise nur im Fernseher oder im Zoo zu Gesicht bekommen, in ihrer natürlichen Umgebung beobachten.

Für Freunde von Hochgebirgswanderungen bietet Tansania die Möglichkeit, in einer mehrtägigen Wandertour den Gipfel des höchsten Berges Afrikas, Mt. Kilimanjaro, zu erwandern. Das selbe gilt für den zweithöchsten Berg des Landes, Mt. Meru. Lokale Tour-Unternehmen organisieren Besteigungen für fast jeden Komfortanspruch (und Geldbeutel).

Wer ein Freund orientalischen Charmes ist, sich für die Spuren der einstmals wichtigsten Sklavenhandelsmetropole interessiert oder einfach nur Traumstrände am Indischen Ozean genießen möchte, sollte unbedingt einen Besuch auf Sansibar in Erwägung ziehen. Freunde weißer Traumstrände werden auch in den Resorts nördlich und südlich von Dar-Es-Salaam auf ihre Kosten kommen.

Gerade für uns Deutsche ist die ist auch die Erkundung der deutschen Kolonialgeschichte überaus lohnenswert. Diese Epoche wurde auf Grund der Fremdbestimmung lange Zeit nicht als Teil der Nationalgeschichte akzeptiert und deswegen, wenn überhaupt, nur rudimentär an den Schulen unterrichtet. Diese Zeit wird auch heute noch kaum wahrgenommen und vordergründig anhand ihrer Hinterlassenschaften (Eisenbahnstrecken, solide Bauwerke) eher positiv bewertet oder gar verklärt. Die Schattenseiten jener Epoche (siehe Geschichte) werden nur allmählich aufgearbeitet und wieder in das kollektive Gedächtnis zurückgerufen. Ausdruck hiervon ist zum Beispiel das Askari-Denkmal im Zentrum Dar-Es-Salaams, aber auch das Maji-Maji Memorial und Museum in Songea.

Hauptsächlich im fruchtbaren Hochland findet man zahlreiche Orte, deren Namen auf frühere Deutsche Gründer oder Besitzer schließen lassen und die zum Beispiel als Farmen oder Lodges noch einen Eindruck der Lebensweise deutscher Siedler vermitteln. Auch die 40-stündige Fahrt mit der Central Line (der Eisenbahnlinie zwischen Dar-Es-Salaam und Kigoma) ist ein Erlebnis. Die Strecke wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als „Deutsch-Ostafrikanische Mittellandbahn“ errichtet. An ihr entlang befinden sich zahlreiche imposante Bahnhofsgebäude aus deutscher Zeit.

Auch für (Rucksack-)Touristen, die einfach nur Interesse an einem afrikanischen Land mitbringen, bietet Tansania großartige Möglichkeiten: Man bereist ein friedliches Land, in dem man als Tourist weißer Hautfarbe nicht als „Freiwild“ angesehen wird. Und dabei wird einem neben Freundlichkeit und Interesse vielerorts sogar warme Gastfreundschaft entgegen gebracht.